Menschen und ihre Geschichten, wie haben sie die Corona Pandemie erlebt?

Wir haben nachgefragt und einige Antworten hier gesammelt:

Mareike, Krankenschwester, 25 Jahre alt

Corona war für mich eine sehr schwere Zeit. Ich habe mich sehr alleine gefühlt ohne meine Freunde und Familie.  Zu Hause ist mir die Decke auf dem Kopf gefallen.  Viele meiner Freunde haben sich in dieser Zeit zurückgezogen und auch ihre Kontakte eingeschränkt, da sie auch sich in der Verantwortung gefühlt haben Ältere und Kranke zu schützen. Gerade aufgrund meines Berufes wollten einige sich erst recht nicht mit mir treffen. Das hat mich sehr verletzt und wie gesagt, ich habe mich gefühlt als wäre ich ganz alleine, trotz dass ich mit meinem Freund zusammen lebe. Auf der Arbeit ging es richtig ab. Ich arbeite zwar auf keiner Coronastation, trotzdem musste meine Station Patienten aufnehmen, die eigentlich nicht das passende Krankheitsbild für eine Chirurgie hatten (Herzinfarkte, COPD etc). Somit mussten ich und mein Team uns mit neuen Themen auseinandersetzen, mit neuen Mitarbeitern, die ausgeholfen haben, und mit neuen Ärzten. Die gewohnten Strukturen wurden komplett gebrochen und es war ein einziges Chaos. Nach 4 Monaten permanenten Beschwerden wurde dann endlich ein Gespräch mit Ärzten und Schwestern einberufen um die Zusammenarbeit zu koordinieren und zu verbessern. Ab dann lief die ganze Sache auch wieder, die Stimmung im Team besserte sich und das Arbeiten machte wieder Spaß. 

Digitalität gibt es in meinem Krankenhaus absolut nicht. Gerade in Coronazeiten wurde an dieses wichtige Thema erst recht nicht gedacht. Und ich gehe davon aus, dass es zukünftig auch nicht wichtiger wird. Mein Team ist froh dass es nach 10 Jahren endlich mal einen neuen Pflegewagen bekommen haben 

Lukas, 3D Artist bei einer Visual Effects-Agentur, 29 Jahre alt

Bei meiner Arbeit geht es um das Produzieren von 3D-Renderings für große und bekannte Werbe-Kampagnen. Dabei ist stets eine Kombination aus technischen und kreativen Fähigkeiten nötig.

Generell kann man schon sagen, dass alle sozialen Kontakte in den letzten 2 Jahren sehr selten waren. Auch wenn mich das in der ersten Zeit persönlich nicht besonders eingeschränkt hat, war es dann doch irgendwann sehr anders als das Leben davor. Ich kann prinzipiell sehr lange auf mich allein gestellt sein, ohne das es mich großartig stört. Dennoch muss man sagen, dass auf Dauer irgendetwas fehlt, auch wenn man es einem auf den ersten Blick nicht auffällt. Sozialer Kontakt ist und bleibt einfach ein essentieller Teil unseres Lebens, und früher oder später wird einem das auch bewusst. Mit Freunden musste man sich nun also über digitale Zusammenkünfte austauschen, Geburtstage über den Monitor feiern... Zum Glück geht das alles heut zu Tage, aber ein Feierabendbier schmeckt halt alleine zu Hause auch nicht.

Die Art und Weise wie ich in der Corona-Zeit gearbeitet habe hat sich im Großen und Ganzen nicht sehr viel verändert. Da mein Beruf fast ausschließlich mit Digitalen Daten zu tun hat, konnte ich fast genauso gut von zu Hause aus arbeiten. Unsere Kunden wie Audi oder VW verlangen oft höchste Sicherheitsstandards deswegen konnte ich nicht lokal auf meinem privaten PC an diesen Projekten arbeiten, sondern musste mich über eine gesicherte Remote-Verbindung auf meinen PC in der Firma verbinden, und so also Remote arbeiten. Abgesehen von vielen Meetings, die jetzt also digital statt fanden und nicht mehr vor Ort zusammen in einem Raum, hat sich also nicht wirklich viel verändert für mich. Eines der Dinge, die mich persönlich wirklich sehr traurig und depressiv gemacht haben ist, dass es keine Live-Konzerte in den letzten Jahren gab. Ich bin immer sehr gerne auf Konzerten und es ist ein wichtiger Teil in meinem Privatleben. Das zu kompensieren war zum Teil sehr schwer in dieser Zeit. Ein Resultat des ständigen Zuhause-Seins war, dass ich viel mehr draußen war und Spaziergäng gemacht habe. Außerdem habe ich die 3 Monate der Kurzarbeit, in der ich war, genutzt um einen Motorradführerschein zu machen und bin seitdem sehr viel mit dem Bike unterwegs. Eins kann man auf jeden Fall sagen: Ich habe durch die Corona-Zeit ein fantastisches neues Hobby gefunden !

Charlotte, Kochkursleiterin, 44 Jahre alt

Meine Familie hat die Coronazeit weitgehend in Isolation verbracht, da eine meiner Töchter zu einer Risikogruppe gehört. Die Kinder waren die meiste Zeit auf Home-Schooling. Mein Mann hat ca. 50 % der Zeit von Zuhause aus gearbeitet. Wir haben uns nur draußen im Freien mit Freunden getroffen, wo auch die Kinder ihre Playdates mit Freunden hatten.

Ich habe angefangen, die Kochkurse online zu geben. Auch der Musikunterricht der Kinder und mein Musikunterricht fanden online statt. Wir haben viel Musikvorstellungen online verfolgt wie z.B. Konzerte oder Opern.

Meine Familie war das, was mir die Stärke gegeben hat, emotional und sozial. Musik und das gemeinsame Musizieren - wir spielen viel zusammen - war für die Kinder und uns sehr wichtig. Die Schule hat die Kinder auch sehr stark unterstützt. Sie haben viel Online Unterricht bekommen und waren durch die Schularbeit sehr beschäftigt. Außerdem haben wir viel zusammen gekocht und gegessen.

Roswitha, Rentnerin (Sozialarbeiterin), 70 Jahre alt

Corona habe ich als schrecklich beunruhigende Zeit erlebt und ich war ständig bemüht alle Informationen in mich aufzusaugen, die es zu Corona gab.

Für mich gab es mehr Digitalität. Ich hab online Vorlesungen gehabt, weil ich die Uni des dritten Lebensalters besuche. Insgesamt war ich mindestens doppelt so oft am PC wie vorher.

Das hatte für mich negative und positive Aspekte. So konnte ich mehr Veranstaltungen besuchen, wegen der Wege die nicht mehr zu bewältigen waren. Das heißt, ich hatte dann sechs statt nur drei Veranstaltungen. Aber ich habe mich auch einsamer gefühlt, wegen der fehlenden sozialen Kontakte und weniger persönlichen Gespräche, die sich nicht mehr so einfach mit meinen Kommilitonen ergaben. Getröstet hat mich in der Zeit, dass es am Anfang der Coronazeit möglich war viel rauszugehen. Ich bin viel mit zwei Freundinnen spazieren gegangen. Die Natur wiederzuentdecken hat mich aus der Panikmache herausgerissen. Ich war sehr froh einen eigenen Garten gehabt zuhaben um mich in der Lockdownphase raus setzten zu können.

Marvin, Fotograf, 29 Jahre alt 

 

Die Zeit mit Corona, wobei ich mich da im speziellen hier auf die Zeit im Lockdown beziehe, war für mich sehr speziell.

Ich bin direkt am Anfang des ersten Lockdowns über eine Distanz von 630 Kilometern Richtung meiner Heimat umgezogen und dachte somit, dass ich einigen Freunden und meiner Familie näher kommen werde, als es die letzten drei Jahre der Fall war, aber daraus wurde erstmal nichts. Im neuen Zuhause angekommen, blieb ich dann auch erstmal dort. Der Lockdown war da mit Kontaktbeschränkung und dem anderen Kladderadatsch.

Da ich selbstständig bin und körperlich immer anwesend sein muss, wenn ich arbeite, habe ich mich im privaten Bereich sehr genau an die Corona Regelungen gehalten, um andere und mich nicht zu gefährden. Bedeutet, es gab für mich keine sozialen Treffen und Unternehmungen mehr mit Freunden und Co. In der Zeit habe ich wahrscheinlich etwas mehr mit Menschen telefoniert, um mich auszutauschen, was ich sonst eher nicht so gern mache, hat aber gut getan zu dem Zeitpunkt. 

In puncto Arbeit wurde bei mir erstmal alles gestrichen und kein Job fand mehr statt, also hatte ich zwangsläufig erstmal sehr viel Zeit für mich und meine eigenen Projekte. Diese Zeit habe ich auch enorm genutzt, vielleicht sogar ein bisschen zu exzessiv. Der Umgang mit dem Digitalen Dasein ist bei mir schon immer kompliziert. Ich habe in der Zeit des Lockdowns das ganze für mich etwas aufgeräumt, könnte man wohl sagen. Das ganze mal zu hinterfragen und bewusst zu verwenden, hat mir auf jeden Fall geholfen. Dabei rauskam, dass ich meine digitale Welt nun dosierter verwende. 

Im Bezug auf meine Arbeit hat sich nichts verändert, da ich für Jobs immer raus in die Welt gehe und nicht von Zuhause aus arbeiten kann. Was ich aber von Zuhause aus getan habe, war eben meine eigenen, freien Projekte anzukurbeln. Positiv fand und finde ich, dass sich die Beziehung zu mir selbst nun aufrichtiger gestaltet. Ich habe viel über mich gelernt und gestehe mir nun zu, die Dinge so zu machen, wie ich es für richtig halte.

Teresa, Gründerin einer psychedelic Cumbia Band, 27 Jahre alt

 

Als Corona in Europa wütete war ich in Mexiko. Ich bin mexikanisch- deutscher Herkunft und wollte nach meiner abgeschlossenen Musicalausbildung eine Weile in Mexiko leben und arbeiten. Wir sahen die Welle kommen doch viele glaubten nicht daran oder konnten nicht Zuhause bleiben, weil sie jeden Tag arbeiteten um Geld zu verdienen.

Märkte mussten mit Waffengewalt geräumt werden. Im Fernsehen wurde beschrieben, dass teilweise Leichen an falsche Familien zurückgegeben wurden, weil es so viele Tote gab. Es wurde auch berichtet das Menschen, die wegen einer anderen Krankheit ins Krankenhaus kamen sich dort anstecken bzw. in den Todesurkunden stand, sie seien an Covid -19 gestorben. 

Ich wollte eigentlich viele Kontakte in Mexiko knüpfen doch alle Läden mussten schließen. Tatsächlich gab ich noch ein Konzert mit einer Band doch danach war Schluss und ich harrte einen Monat mit dem Mitbewohner meines Cousins in der Wohnung aus.

Irgendwann musste ich auch mal aus der Wohnung raus. Anderswo konnte ich aber keine Miete zahlen, denn ich hatte als Künstlerin keine Aufträge. Mein Mitbewohner arbeitete von Zuhause aus. Ich überlegte neue Musik Videos zu produzieren aber ich hatte eine kleine musikalische Blockade. Stattdessen habe ich eine Fotosession gemacht.

Anschließend wohnte ich bei meinem Onkel und meiner Tante in Toluca. Ich durchquerte Mexico in einem Bus, weil es keine Flüge mehr nach Sayulita gab, und landete in einem Partydorf was sich abgekapselt hatte und von den Gavilanes bewacht wurde, Wenn man in dem Dorf nicht lebte oder jemanden persönlich kannte durfte man nicht rein. Ich durfte rein.

Joana, Studentin, 20 Jahre alt


Im Sommer 2020 habe ich mein Abitur gemacht. All die lang geplanten und ersehnten Höhepunkte des gymnasialen Abschlusses wie z.B. Mottowoche, die letzten Schulstunden
des Lebens, Abigeg, Abiball – fielen ins Wasser, ich hatte also keinen “richtigen” Abschluss und ist auch nicht in dem Rahmen nachzuholen. Das war für mich schon sehr traurig, aber dennoch wollte ich mich nicht vollends entmutigen lassen: Ich habe mein Abitur machen können und nun standen mir alle Wege frei. Zumindest theoretisch: Mein Plan ein Jahr die
Welt zu bereisen musste ich leider auch verwerfen. Also entschied ich mich direkt ein Studium zu beginnen. Doch auch hier kreuzte Corona mein Leben: Ich hatte nicht die
Möglichkeit alle meine KommilitonInnen kennenzulernen, keine Ersti-Woche und direkt nur Onlinelehre. Es war schwer am Ball zu bleiben, alles zu verstehen und nicht die Motivation
vor lauter Eintönigkeit zu verlieren. Früher als Später konnte ich in diesem Format allerdings nicht weitermachen und musste mein Studium bedauerlicherweise beenden. Was daraufhin
folgte, war eine sehr schwierige und langwierige Auseinandersetzung mit meinem Selbst.

Ich hatte das Glück in einer 5er Wg zu wohnen, mit diesen wunderbaren Menschen durch die sehr turbulente Zeit gehen zu können und mich deswegen nicht vollkommen verloren und
von Corona überwältigt zu fühlen. Wir haben gemeinsam unzählige wunderbare Filmabende und Kochaktionen sowie z.B. Wg-Interne Mottotage gehabt um aus der belastenden
Monotonie des beruflichen/studentischen Alltags zu entfliehen.
Während dem ersten Corona-Pandemie-Jahr habe ich trotz der vermeintlichen Rückschläge bezüglich des Abiturs, Brückenjahrs und meinem Erststudium viele schöne Momente, aber vor allem auch Halt, persönliche Stärke und neue Erkenntnisse erfahren können. Mittlerweile habe ich ein neues Studium angefangen.  Mein Dank gilt dafür meiner Familie und meinen Wg-MitbewohnerInnen.

Till, Koch, 29 Jahre alt

 

Corona hat mich persönlich nicht stark eingeschränkt. Ich habe zwar durch die Krise meinen Job verloren aber viel Zeit mit meiner Lebenspartnerin gewonnen.

Wir hatten die Möglichkeit uns wieder neu und besser kennenzulernen, wodurch unsere Beziehung intensiver und inniger wurde. Ich habe somit nicht wirklich unter der sozialen Isolation gelitten. Mein Konsum digitaler Medien ist dennoch dramatisch angestiegen und ich habe einen Großteil meiner Zeit mit Serien, Filmen und Spielen verbracht. Auch wenn es mir während Corona nicht wirklich schlecht ging, so verhielt sich das bei einigen im Familien- und  Bekanntenkreis anders. Viele litten an der Isolation und dem Fehlen von Me-Time bzw. Rückzugsorten. Auch wenn die Coronasituation in den sozialen Aspekten kein großes Ding war, so war der wirtschaftliche Aspekt ein großes Problem, das mich stark beschäftigte. Ich wusste nicht wie es weitergeht und ob sich mein Berufsfeld wieder erholen würde. Meine Partnerin, Familie und Freunde haben mich emotional unterstützt, sodass ich weitermachen konnte und nicht aufgegeben habe. Es ist schön von Menschen umgeben zu sein die einen wertschätzen und für dich da sind.  

Jane, Künstlerin, 54

Den sozialen Aspekt der Pandemie habe ich unterschiedlich erlebt.

Auf der einen Seite: endlich Ruhe, sogar verordnete Ruhe. Auf der anderen Seite natürlich Einbußen an Lebensqualität, Konzerten, Ausstellungen und Reisen.

Jeder Lockdown ist anders und jedes Mal dachte man: Das war jetzt das letzte Mal.

Dann können wir zum 'normalen' Leben zurückkehren. Doch die Mahner sollten Recht behalten: Das war es noch lange nicht.

Diese mittlerweile endlos erscheinende Serie von Einschränkungen hat etwas sehr Nerviges und belastendes.

Ich bin allerdings entsetzt über die Planlosigkeit, wie von politischer Seite in dieser Pandemie dirigiert wird.

Schon vor der Pandemie habe ich viel digital und am Computer gearbeitet. Ich bin daran gewöhnt.

Wichtig ist auf Pausen zu achten, um mich nicht so sehr vereinnahmen zu lassen.

Was ich besonders fand war, dass es trotzdem so viele Angebote gab, wenn auch nur digital.

Viele Künstler konnten ihr Potenzial nutzen und es bestanden auch einige Fördermöglichkeiten.

Ich selbst konnte zwei Ausstellungen zumindest vorbereiten, ob sie gezeigt werden können, stand dabei in den Sternen.

Eine wurde abgesagt, die andere findet in reduziertem Umfang statt.

Das ist also nicht nichts, es ist aber anders.

Kleiner, familiärer. Und: es bleibt spannend.

Das, was womöglich sonst in Hektik untergegangen wäre, bekommt ein neues Gewicht.